kontakt  |  sitemap  |  impressum
Sie sind hier: ARA Breisgau / Berichte
30.05.16 19:53 Alter: 1 year
Von: Uwe Blaffert

400 km Bodensee-Brevet Sa 28.05.2016


Pünktlich um 8:00 Uhr war Abfahrt vor dem Augustiner in Freiburg im Breisgau. Auf den Weg machte sich eine Gruppe von ca. 55 Teilnehmern, 25 waren erst gar nicht am Start erschienen.

Bei angenehmen 18° ging die Reise los und ich setzte mich gleich an die Spitze des Feldes um keinen Zug zu verpassen, denn ich wollte heute noch zurück sein.

Bereits nach 25 km hatten wir 700 hm in den Beinen. Oben am Thurner angekommen, stürzte sich Matthias E. beherzt in die Abfahrt und ich hinterher. Manuel G. hatte sich bereits  vorher, im Anstieg abgesetzt. Mit Matthias kam ich auch trotz ordentlicher Wattwerte, gleich gut ins Gespräch. Wir kannten uns schon vom gemeinsamen 600er, in Nordbayern aus dem vergangen Jahr. Er hat im letzten Jahr, das Race Around Iceland gewonnen. Er benötigte für die 1358 km und über 10.000 hm weniger als 62 Stunden (22 km/h) Brutto!!! Und es ist dort im Juni, besonders in der Nacht, saukalt. Also, ist er ein ganz anderes „Kaliber“ wie ich – aber, weiter geht`s. Noch bleibe ich dran J

Schon bald konnten wir, den vor uns fahrenden Manuel einholen. Manuel und Matthias kennen sich gut und freuten sich über ihr wiedersehen und so ging es zur ersten Kontrolle, nach 2 Stunden in Bräunlingen. Dort warteten wir kurz auf Ralph S., um mit ihm zusammen weiterzufahren. Ralph ist ein sehr erfahrener Randonneur, der eigentlich schon alles gefahren ist. Unter anderem Paris-Brest oder den 1000 du Sud. Sein Strecken Kenntnisse sind so gut, dass er weder Navi noch Tacho brauchte. Viel Gepäck brauchen die meisten „Raketen“ auf so einer Mitteldistanz auch nicht. Ärmlinge, Beinlinge, Warnweste, Wasser und Getränkepulver – That`s it! Meiner einer ist da eher etwas vorsichtiger am Start – nach dem Motto, es könnte ja etwas länger dauern. Deshalb hatte ich zusätzlich: Regenjacke und -hose, Langarmtrikot, lange Handschuhe, warme Mütze, Füßlinge und Überschuhe dabei. Aber, das muss jeder selbst entscheiden. Mir ist lieber ich sag hinterher, gut das ich es nicht gebraucht habe. Als, hätte ich es doch mitgenommen. Und schon kam in Schaffhausen, gegen halb 12, die Regenjacke zum Einsatz, nachdem wir uns durch die Touristen am Rheinfall geschlängelt hatten. Auch war Gelegenheit, die Flaschen mit Wasser und Pulver nachzufüllen. (Was die Polizei wohl zu diesen Beuteln, mit weißem Pulver sagen würde) Von Schaffhausen ging es die nächsten 2 Stunden, bei teilweise heftigem Regen durch die Schweiz, an den Bodensee. Bei km 135, Höhe Steckborn, traf ich die richtige Entscheidung, den Jungs nicht mehr hinterher zu hecheln. Ein 30er Schnitt und 230 Watt bis hierhin, war mir to much. Schließlich war der Weg noch weit und so eine negative Erfahrung hatte ich bereits auf dem Haben-Konto. Also erst mal die Beine etwas rausnehmen, den Bodensee genießen und wahrscheinlich mit der Gruppe nach mir weiterfahren.

In Konstanz alleine angekommen, war eigentlich eine „freie Kontrolle“ vorgesehen, d. h. im Ort die Karte abstempeln sowie unterschreiben lassen. Der Track führte aber, direkt auf den gut besuchten Marktplatz. Und wie sich das gehört, habe ich es auch so gemacht und mir dort, den Stempel abgeholt. Danach denselben Weg zurück, auf den eigentlichen Track und rein in die nächste Tankstelle und das kann dauern, wenn zwei Leute vor einem sind und es wie so oft eine komplizierte Sache ist, wenn man gleich das Pfand raus berechnet haben will, weil man die Flaschen gleich umfüllt … In dieser Zeit muss es passiert sein und die hintere Gruppe überholte mich. Weil ich aber, davon nichts mitbekam, sonnte ich mich nach wie vor genüsslich auf dem vierten Platz. (Trotz des sportlichen Charakters sind Brevets ausdrücklich keine Rennen.) Langsam ließ jetzt der Regen nach und die nassen Klamotten trockneten und ich nahm mir die Zeit um Füßlinge und Regenjacke auszuziehen. Vorbei am Überlinger See, ging es in den grünen Hegau. Die Luft und die Farben sind bekanntlich, nach einem Regen besonders intensiv. Die nächste Kontrolle war bei km 220 in Beuron. Dort angekommen staunte ich nicht schlecht darüber, dass ein gute Handvoll Randonneure, vor leeren Tellern und Gläsern saß. Also nix wie rein, Stempel und ein Glas Cola holen. Kurze Frage nach dem Befinden und verabschieden mit den Worten „ihr holt mich bestimmt bald ein“. Weiter Richtungen Balingen, in den Zollernalbkreis. Mit dieser Region verbindet mich eine besondere Beziehung, denn viele Jahre musste ich dort mit dem LKW hinfahren. Schön anzusehen zwar, aber von Bensheim aus, meist nicht unter 500 km am Ende des Tages. Umso schöner ist es nun für mich, mit dem Rad zurückzukehren und auch von den Streckenkenntnissen zu profitieren. Um 18:20, nach ca. 270 km war Zeit für mein „Abendessen“. Dabei hatte ich zum ersten Mal, eine 200 ml Flasche Fresubin Vanille (Eiweißreiche Trinknahrung mit sehr hoher Energiedichte, 400 kcal pro Drink). Zur besseren Aufspaltung der Atome, habe ich die Flasche mit einmal absetzen geleert und auch vorsorgliche, eine Durchfalltablette mitgenommen. Zuerst der Geschmack: lecker, wie Alpro Sojadrink und die Wirkung: mega, wie Zaubertrank! Außerdem bestand meine Ernährung aus: Iso-Spezial Mischung auf Haferbasis, Ultra Buffer sowie 2 Natural Energie Riegel, 2 koffeinierte Gels 4 Gel-Chips,  75 g Cranberry Keksen und einem Schokoriegel.

Km 280 Sulz am Neckar war erreicht. Rauf nach Hopfau konnte ich dann meine Verfolger sehen und nach 300 km schlossen sie zu mir auf, worüber ich mich freute und auch dachte, dass es von jetzt an gemeinsam nach Freiburg geht. Aber irgendwie war die Freude einseitig und nach Unterhaltung war den Fünfen auch nicht so. So kam es, dass ich nach zwei km, bis nach Freudenstadt zur Kontrolle bei km 212 mehr oder weniger wieder mein eigenes Ding machte. In der Tankstelle trafen wir auf Ralph und Manuel, die es sich dort gemütlich machten. Für mich war jetzt fertig machen für die Nacht und den Endspurt angesagt: Sehen und Gesehen werden. Also, klare Wechselscheibe, Warnweste und Beleuchtung. Außerdem, den Edge während der Fahrt nachladen. Ralph und Manuel machten sich noch vor mir auf die Strecke und ich mit etwas Abstand hinterher.

Von Freudenstand ging es eine lange Abfahrt runter nach Wolfach im Kinzigtal. Dass es in der Abfahrt nicht kühl war, war ein gutes Zeichen für angenehme Temperaturen in den kommenden Stunden. Auch das Champions-Leauge-Finale war positiv zu vermelden, denn es leerte die Straßen.

er letzte dicke Brocken wartete im Elztal darauf erklommen zu werden, bei mittlerweile Dunkelheit und Schwarzwälder Gerüchen. Knapp 400 hm nach 350 km können noch mal hart werden, aber auch das ging vorüber und es folgte eine angenehme Fahrt nach Waldkirch. Mittlerweile braute sich ein Gewitter zusammen, was sich mit Blitzen ankündigte. Also, nochmal reintreten, das Tempo hochhalten, zur Not auch über eine Kraftfahrstraße ;-) Pünktlich um 23 Uhr erreichte ich die Universitätsstadt im Breisgau und das Finale lief noch! (Wer hätte das heute Morgen gedacht) Erste Tropfen fielen herab und der Track führte mitten durch die Stadt, vorbei am Martinstor, über Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen, die Dreisam und durch die Nachtschwärmer zurück zum Augustiner nach 15,25 h. Rechtzeitig, noch vor dem Elfmeterschießen, dass Atlético leider gegen den schnöseligen Nachbarn verlor. Nicht aber ich, denn ich habe eine wunderschöne Erfahrung gewonnen.

https://www.strava.com/activities/591342218