kontakt  |  sitemap  |  impressum
Sie sind hier: ARA Breisgau / Berichte
09.08.14 09:22 Alter: 3 yrs
Von: Michael Probst

Belchen Satt


Wegen meiner Elternzeit war ich für Belchen satt angehalten, die Zeit von "Haustür bis Haustür" so kurz wie möglich zu halten. Weil die Zugfahrt von Freising bis Freiburg in ca. 6 h (alle 2 h tagsüber) machbar war, habe ich mich für Fr, Sa und Sonntag entschieden.

Also Freitag mit dem ersten Zug nach Freiburg und am Sonntag mit einem der Letzten wieder zurück. Das hatte zur Folge, dass ich am Freitag um ca. 13 Uhr starten konnte und am Sonntag um 17 Uhr wieder zurück sein musste. Damit wäre ich am Ende des Zeitlimits gelegen. Dieses Vorgehen kam meiner "touristischen Überlegung", nur bei Tageslicht fahren zu wollen, entgegen. Hies aber, zwei Mal unterwegs zu nächtigen, und somit die Tour auf Etappenfahrten mit 150 - 300 - 150 km Etappen einzuteilen. Das war nicht zuletzt auch deswegen legitim, da ich mit minimalen technischen und finanziellen Aufwand die Übersetzung am Rad mit 36/29 verwenden wollte/musste. Bei ausreichend steilen und langen Anstiegen sind damit früher oder später längere (Schlaf-)pausen unvermeidlich.

Die Anfahrt lief problemlos. Ich wollte um 13 Uhr starten. Da aber um 13 Uhr eine Oldtimer-Rallye ebenfalls zum Schauinsland hoch fuhr, sah ich zu, so schnell wie möglich zu starten. Somit konnte ich ca. 25 min eher losfahren. Von den Oldtimern haben mich nur ca. 15 überholt, von denen lediglich zwei "ambitioniert" fuhren. Alle anderen waren weder bzgl. Geschwindigkeit noch bzgl. Abgas unangenehm. Das kann man für die ersten 100 km von den Mopedfahrern nicht behaupten. Sie sind laut genug um sich drauf einzustellen, aber von vielen ist deren Abgasverhalten katastrophal.

Die Anstiege im Schwarzwald gingen ganz gut, wenngleich ich meinem Zeitplan von 20 km/h in den ersten Stunden nicht halten konnte. Ich hatte mir in Selzach bei Grenchen eine Privatpension gebucht, die ich eigentlich bis ca. 22 Uhr erreichen wollte (ca. 190 km).

An der Grenze hatte ich vorher schon ca. 1 km abseits der Route ein großes - und letztes "€"-Einkaufscenter - ausgemacht und angesteuert. Mit vollem Rucksack ging es dann die ersten Hügel ganz gut, bis die Rampen kamen. Irgendwann siegte dann die Vernunft. Ob mit 7,4 km/h hochquälen oder mit 5,0 km/h hochschieben, macht dann auch schon keinen Unterschied mehr. Um ca. 21 Uhr war ich schließlich in Balsthal. Dort rief ich in der Pension an, ich würde noch ca. 3 Stunden brauchen. Im finstern dem Weissenstein hochzu, brachte die Erkenntnis, dass das Licht vom Nabendynamo unter 6 km/h auch nicht mehr so gut ist. Was aber in Punkto "Anhalten auf halbe Sicht" bei dem Tempo aber auch nicht so wichtig war. Da von Balsthal aus ein paar km "Erholung" war, lief es berghoch doch besser als befürchtet und ich musste "gar nicht so viel" schieben. Le Chasseral

Oben war die Hölle los und ich hab erfahren, dass heute (1. August) der Nationalfeiertag der Schweizer ist, und deswegen alles auf den Beinen ist. Deswegen auch die vielen Fahnen und geschmückten Ortschaften. Die Abfahrt von Weissenstein wurde das Highlight der Tour: im Finstern in das voll beleuchtete Tal runter. Der Nationalfeiertag hat zur Folge, dass - identisch unserem Neujahr - unheimlich viel Feuerwerk abgeschossen wurde. Leider konnte ich das Schauspiel während der Abfahrt nicht so recht geniesen, da ich nur Augen für die Straße und den Straßenverlauf auf dem Navi hatte. Jedoch machte ich sicherheitshalber bergab drei Kurzstopps um die Bremsen ein wenig abkühlen zu lassen. Erst als sie dann anfassbar waren, bin ich dann weiter. Im Tal war das Schauspiel aber entzückend. Einmal durfte ich zwischen zwei ca. 5 m hoch schiessenden "Sprühfontänen" durchfahren. Das wäre ein schöner Zieleinlauf gewesen. Durfte aber auch als solcher gelten, da es zur Privatpension Fr. Ryf, Erlimoosweg 10, Selzach, +41 (0) 32 641 22 21 nur noch ein paar Meter waren. Diese Pension ist ein "Geheimtip". Fr. Ryf blieb extra für mich auf, hätte mir abends um 23:30 Uhr am liebsten noch etwaswarmes zu Essen zubereitet und hätte noch alles sonstige erledigt, wenn ich Wünsche gehabt hätte. Das Frühstück war extrem reichhaltig, qualitativ hochwertig und lies keine Wünsche offen. Leider wollte ich mir keine Stunde Zeit nehmen, das alles genüsslich zu kosten. Schliesslich bekam ich noch einiges als "für unterwegs" eingepackt! Und das alles für 50 CHF!!! Ich war begeistert.

Das war ich auf den ersten km auch noch vom Wetter. Das hat sich dann aber sehr gleich geändert, da es zu nieseln anfing und die nächsten 5 h nur noch nass war. Der Niederschlag hielt sich in Grenzen, aber naß war es (berghoch und -runter) trotzdem.

St.-Imier war ein Supermarkt in Sichtweite des Tracks eine sehr gute und wichtige Station für den weiteren Verlauf.

Das die Auffahrt von der Doubs-Schlucht mühsam wird, habe ich vorher schon gelesen und auch auf dem Höhenprofil ablesen können. Dem ist nichts hinzuzufügen. Meistens habe ich da mit 4.0 km/h geschoben. Oben angekommen, war es dann auch mit dem Wetter besser, ich in Frankreich und endlich auch mal in einer Gegend die ich kannte. Die Strecke um Saint-Hippolyte kenn ich aus vielen An- und Abfahren nach Südfrankreich mit dem Moped. Es stellte sich prompt ein "zu Hause"-Gefühl ein. Das Wetter wurde immer besser und es wurde schliesslich bis Lure richtig heiß. Dort nahm ich die Empfehlung, sich gründlich einzudecken, ernst und habe den Intermarche angesteuert. Dort drinnen hätte es mich beinahe erfroren und wieder rauszu war ich dem Hitzschlag nahe. Aber weder das eine noch das andere ist eingetreten. Dafür sind aber massive Gewitterwolken aufgezogen und ich befürchtete für mein Vorankommen das Schlimmste. Um es vorwegzunehmen: viel Glück gehabt. Zuerst fuhr ich mitten auf das Unwetter zu, blieb dann aber doch etwas parallel, bis dann der Anstieg zum Ballon de Servance kam. Dort wäre ich lieber ein paar km Umweg auf der "Normal"-Straße gefahren, anstatt mich der Nebenstraße hochzuquälen. Aber irgendwie war ich dann auch dort oben. Noch trocken.

Die Gewitterwolken hatten sich verzogen, aber von da an bin ich nur noch auf nassen Straßen gefahren. Entweder waren die Schauer kurz hinter mir oder gerade kurz vor mir weggezogen.Ballon d'Alsace Auf jeden Fall kam ich bis zur Abfahrt vom Ballon d`Alsace ohne Regenjacke aus. Da ich gegen 20 Uhr mein "2-Tages-Soll" von 450 km gut überschritten hatte, habe ich mir eine Unterkunft gesucht. In Saint-Maurice hatte ich kein Glück, aber schon in Bussang. So viel Glück ich bei der ersten Übernachtung mit Fr. Ryf gehabt hatte, soviel schlechter war diese Nächtigung. Aber egal. Das Essen war ok und letztendlich auch die Dusche und das Zimmer/Bett. Immerhin verbrachte ich dort ca. 9 h....

Am Sonntag war anfangs die Straße noch naß, wurde dann aber immer besser. Weder die Länge noch die Steilheit der Pässe waren ein Problem. Vielmehr das ich keine vernünftigen Bäckereien, etc gefunden hätte. In den größeren Ortschaften war ich noch zu früh, als das etwas offen gehabt haben könnte, und danach kamen keine Ortschaften mehr. So kam ich fast an die Grenze von Nahrungsknappheit. Da ich aus Südfrankreich gewohnt bin, dass fast jede noch so kleine Ortschaft irgendwo einen kleinen Bäcker hat, war ich voller Vorfreude auf ein Croissant und Pain-au-Chocolat. Leider kam erst kurz vor der Grenze ein kleiner Laden. Da direkt an der Grenze ein McDonalds war, konnte ich nicht widerstehen und bog ein. Da das Ziel von < 48 h eh weit weg war, von einem "seriösen Durchfahr-Ziel", war dann die Überlegung: ob jetzt beim McD in Ruhe oder in Freiburg in Hektik (und Sorge ums Rad), dann ist mir die Ruhe jetzt lieber. Und so hab ich eine schöne Zeit dort liegen gelassen - im warsten Sinne des Wortes. Hat mir sehr gut gemundet und ganz entspannt bin ich dann nach Freiburg gerollt. Den einsetzenden Regen konnte ich dann immer gerade so hinter mir lassen, so dass ich trocken blieb.

Um kurz vor 13 Uhr war ich dann wieder zurück, was einer Dauer von 48:26 h entsprach. Das war sicherlich keine nennenswerte Zeit, da ich viel übernachtet habe. Die Fahrtzeit von 29:00 h (incl. 10 km Umweg für Nahrung und Unterkunft) dürfte da sicherlich ambitionierter sein. Aber da gilt der alte Spruch perfekt: Wer schnell fährt ist nicht

unbedingt als Erster zurück... - den Druck hatte ich ja zum Glück nicht. Nur den Druck den Zug nicht zu versäumen. Und das ist mir geglückt!

Deswegen: Sturz- und Pannenfrei und ohne größere Probleme rundrum gekommen. Gott sei Dank! Oft hätte ich mir ein Crossrad mit schöner Übersetzung, breiten Reifen und richtig guten standfesten Bremsen gewünscht. Dann wäre es wirklich eine sehr schöne Ausfahrt geworden. So war die Schinderei schon oft im Vordergrund.