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30.08.15 22:03 Alter: 2 yrs
Von: Rainer Sacchi

Superrandonée am Rande des Hitzschlags


Kann eine Superrandonée ohne Erlebnisse abgehen? Wohl kaum. Hier sind meine Eindrücke von der "Belchen Satt".

Zur Abkürzung benutze ich dabei – weil die Begriffe im folgenden Text mehrfach vorkommen - ein K für Krämpfe, und A&S für Absteigen und Schieben.

Episode 1: Die Deutschen Belchen

"High noon" am Freiburger Martinstor. Start um 10:05 Uhr (nach einem Last Minute Einkauf von Sonnencreme) bei 35°C im Schatten und schwüler Witterung.

SchauinslandK nach 6km beim Anstieg zum Schauinsland. Magnesiumtabletten retten mich nach oben. Relativ unspektakuläre Passhöhe. Steile Abfahrt durch Stohren.

Wiedemer EckHitzepause beim Schartenstein, dann Anstieg zum Wiedener Eck, aber auf Hauptstraße ohne die 20% Rampe. Relativ harmloser Anstieg zum Belchenhaus. Ich schwitze aus allen Poren; der Schweiß brennt mir trotz Stirnband in den Augen.

Schöne Abfahrt nach Schönau – ausgiebige Abkühlung am Brunnen im Ort.

Meditative Wallfahrt rauf zum Tiergrüble. Neuerliche K kurz vor Passhöhe erzwingen erneut A&S.

Durchquerung Todtmoos bei relativ kühlen 30°C, lange Auffahrt zur Freiwaldkapelle bei feuchter Gluthitze in gleißendem Sonnenlicht; wieder erleide ich K, wieder A&S.

Lange Abfahrt bis Laufenburg. Pause im Edeka Center, viel Trinken.

Schöne Ortsdurchfahrt, obgleich des Kopfsteinpflasters.

Episode 2: Die Schweizer Belchen

Mit der Überquerung des Rheins in Laufenburg beginnt ein neuer landschaftlicher Abschnitt, aber kurz nach Kasten verläuft meiner Tour nach dem gleichen Schema: Zeitweilige K zwingen mich zu A&S. Landschaft hinter Kienberg (CH)Kienberg – hier verschafft mir ein Brunnen mit armdickem Strahl vorübergehende wohltuende Abkühlung. In schneller Folge schütte ich mir mit dem Kaltwasser gefüllte Trinkflaschen über den Körper. Herrlich! Leider erweist sich dieser Brunnen als nicht transportabel. Somit hält die kühlende Wirkung leider nicht lange an.

Nun folgt eine Serie von Schweinebuckeln mit teils steilen Abfahrten vor Läufelfingen.

Ca. 1 Stunde lang pausiere ich am dortigen Bahnhof, um mich zu erholen. Bei Stockfinsternis breche ich wieder auf. Direkt danach folgt eine steile Rampe vor Eptingen: Mein Frontrad hebt beim Treten ab. Die Sturzgefahr ist mir radelnd auf der sandigen Straße zu hoch, daher: A&S im Steilstück. Hinter Eptingen geht es durch eine Baustelle hindurch weiter mit einer im unteren Teil recht steile Rampe hinauf zum Chilchzimmersattel. Die immer noch zu große Hitze zwingt mich zu zeitweiligem A&S. Einige Viertelstunden lang lege ich mich zur Erholung an den grasigen Hang am Straßenrand und betrachte den Himmel. In der Ferne erkenne ich dunkle Gewitterwolken, die langsam aber stetig in meine Richtung ziehen. Die Aussicht auf ein herannahendes Unwetter treibt mich wieder aufs Rad und über den Pass. Eine lange, herrliche Abfahrt ist der Lohn.

In Balsthal gönne ich mir eine ausgiebige Schlafpause (danke, Balois Bank!). Nächtliches Dahingleiten bei angenehmer Temperatur durchs Tal bis Gänsbrunnen. Ich fühle mich für eine kleine Weile wieder gut, aber dies wird nicht lange andauern.

Talblick vom WeissensteinWeissenstein – lange Auffahrt bei 15% und mit nächtlichem Plattfuß hinten auf halber Höhe zwingt mich erneut zu A&S. Der verlängerte Ausblick von der Terasse im Morgengrauen entschädigt aber teilweise für die Dauer der Reparatur.

Es folgt eine Abfahrt mit 22% (!) Gefälle bei lebhaftem Gegenverkehr. Gute Bremsen sind hier überlebensnotwendig! Die mir entgegenkommende Fahrzeugkolonne rührt von einem Musikfestival auf der Passhöhe her. Mir scheint, als versammelte sich der halbe Kanton Solothurn hier oben.

Kurz hinter Grenchen eine Stunde lang Wolkenbruch mit Blitz, Donner und Blitzeinschlag in nächster Nähe. Der Straßenrand, an dem ich stehe, verwandelt sich binnen einer Minute zu einem munteren Rinnsal. Mein Gedanke ans Weiterfahren habe ich ob des Blitzeinschlags zutiefst erschrocken und instantan fallengelassen wie eine zu heiße Kartoffel.

Untüchtige Navigation zwingt mich ab hier zu Navigieren nach Streckenplan. Präziser formuliert: Eingedrungenes Wasser im eigentlich wasserdichten Smartfongehäuse hat bewirkt, dass sich das Gerät am E-Werk nicht mehr laden läßt – das Ladekabel zum E-Werk hin ist bei Starkregen halt nicht dicht genug. Dauerregen war bisher für das Gerät kein Problem, aber direkten Wassereinbruch hat es bisher nicht verkraften müssen – heute schon.

Chasseral		Chasseral – eine lange Auffahrt bei moderaten Temperaturen wird gekrönt durch ein grandioses Panorama zur Mittagszeit.

St. Irmier, langer, glutheißer Anstieg zum Mont Soleil. Schweißüberströmit krieche ich nach oben wie ein Regenwurm in einer ansteigenden Backröhre. Anzeichen von Scheuerstellen auf der Sitzhaut machen sich nun bemerkbar. Immer wieder brauche ich Pausen, um mir in den Augen brennenden Schweiß aus dem Antlitz zu wischen. Das warme Wasser in den Trinkflaschen löscht schon lange keinen Durst mehr. Irgendwann erreiche ich Noirmont, wo ich mir zwei alkfreie Bier aus dem Coop gönne. Es schließt sich eine steile und kurven- sowie aussichtsreiche Abfahrt ins glutheiße Tal des Doubs an.

Episode 3: "Fronkraisch"

Doubs bei La GouleNach La Goule: Steile Rampe im Schatten bei tropischen Temperaturen. Nach kurzer Schiebeeinlage scheuern die Fersen in den Schuhen. Entnervt steige ich aufs Rad und drücke mich den Berg im Wiegeschritt rauf. Immer wieder mir brennt der Schweiß in den Augen und zwingt mich zu Minipausen. Mein Wasservorrat geht zur Neige.

Charmauvillers: Ein Dorf ohne Brunnen?

Damprichard: Brunnen mit "non potable" Kennzeichnung. [NB: Falsche Bezeichnung - jedes Brunnenwasser ist trinkbar, manches nur nicht ohne Nachwirkungen. :-) ]

Trévillers: Brunnen ohne Kennzeichnung. Kräftig saufen und Flaschen voll!!!

Lange, schnelle Abfahrt nach St. Hippolyte.

Ankunft Colruyt in St. Hippolyte 3min vor Ladenschluß. Einkauf: Cherrytomaten & Cola.

Erholungsetappe nach Glainans – Einbruch der Dunkelheit. Weiterfahrt bei nun angenehmer Temperatur.

Abfahrt nach Isle de Doubs mit Fuchs vorm Reifen. Ein instinktiv schneller & schriller "Vorsicht" Schrei meinerseits erschrickt das Tier so sehr, dass es wimpernschlagschnell davonhuscht. Allmählich wird mir kalt und tiefe Müdigkeit setzt ein. Ich beschließe, mir in Lure einen Schlafplatz zu suchen.

Lure – 1000 Sterne Hotel im Park vorm Friedhof an der Rue des Vosges. Nächtliche Weiterfahrt.

La Haut-du-ThemHaut-du-Them – neuerliches Gewitter bei Tagesanbruch. Neuerliche einstündige Zwangspause.

Relativ kühle, aber moderate Auffahrt zum Ballon de Servance [NB: Laut Urban habe ich bei der Navigation nach Strassenbeschilderung eine fiese abkürzende Rampe umfahren, was mir im Nachhinein aber nicht wirklich leid tut. ;-) ]

Von oben folgt eine lange steile und ruppige Abfahrt mit gefühlt 500m Bremsweg.

Abbruch in Lepuix bei Giromagny aufgrund von Intertrigum ("Hautwolf") am Gesäß. Meine frontalen Bremsbeläge sind auch nicht mehr die besten; die haben am Weissenstein und am Servance arg gelitten. Schweren Herzens und mangels Zeit, um die Tour noch in der Touristenklasse beenden zu können, entscheide ich mich zur Rückfahrt über Étueffont, Rougemont, Lauw, Aspach-le-Haut, Cernay, Pulversheim, Hirtzfelden, Fessenheim, Schallstadt nach Freiburg.

Was ich beim nächsten Mal genauso machen würde:

  • Morgens ausgeruht starten.

  • Maltodextrin, Salz und Zucker als Trinkwasserzusatz mitnehmen.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde:

  • Startzeit zu einer Jahreszeit mit anderen Witterungsbedingungen. Gegen Kälte kann mensch sich schützen, gegen Hitze finde ich dies ungleich schwerer.

  • Rad nehmen mit größeren Ritzeln (bin gefahren mit 52-39-30 vorn und 11-25 hinten) und leicht zu wechselnden Bremsbelägen.

Fazit: Gerne wieder - allein schon aufgrund der grandiosen, unterschiedlichen Landschaftsbilder und Panoramen wegen -, aber nicht zur heißen Jahreszeit. Inzwischen habe ich PBP erfolgreich beendet, bei dem Belchen Training nicht weiter verwunderlich. PBP ist für mich eine Kaffeefahrt im Vergleich zu Belchen Satt und landschaftlich nicht einmal halb so reizvoll. Daher: Mein nächster "Belchen Satt" Start ist nur eine Frage meiner freien Zeit.