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Belchen satt

Superrandonnée

 

Länge: 616 km

Höhendifferenz: ca. 12000  Hm

Regeländerung ab 15.03.17:

Maximalzeit: 60 Stunden gesamt

Touristik-Option: 80 km / Tag

Unbedingt Personalausweis / Schweizer Franken mitnehmen

Beleuchtung nach StVO ist Pflicht

 

Übersetzungsempfehlung: mindestens 34/30

Empfehlung Bereifung: Reifenbreite 25mm

In Deutschland gab es bislang noch kein „Bergbrevet” dieser Kategorie und so durfte mit umso mehr Freude und einigem Grausen diese ganz besonders atemberaubende Strecke entstehen, die uns meist auf ruhigen und teils kleinsten Straßen maßlos auf Lieblingsstrecken durch unsere bevorzugten drei Landschaften führt: Schwarzwald. Jura. Vogesen. Vorsicht: Wir lieben Hochprozentiges! Zitat Sophie Matter, Verantwortliche des ACP für die Superrandonnées: „Solche Überraschungen machen Spaß, geben Würze und gehören zum Spirit der Superrandonnées!”

Da man den Starttermin nun schon mal selber wählen kann: Auf der Strecke ist viel eher mit Touristenverkehr als mit Berufs- und Durchgangsverkehr zu rechnen und wer´s maximal ruhig haben will, sollte die Wochenenden eher meiden und unter der Woche fahren.

„Belchen Satt” soll in der ursprünglichen „Brevettradition” stattfinden, d.h. es wird Wert auf größtmögliche Autarkie und Selbständigkeit des Fahrers gelegt. Kontrollen sind nur das, was der Name besagt: Kontrollen. Es ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass dort Verpflegung oder Versorgung zu finden ist. Jeder Fahrer ist selbst für den Nachweis der Durchfahrt der Kontrollorte verantwortlich.

Belchen

sechs Belchen (Ballons) in drei Ländern, die wir in folgender Reihenfolge heimsuchen:

und...

Schauinsland, Tiergrüble, Weißenstein, Chasseral, Mont Soleil, das Schluchtenland des Doubs, ein paar zusätzliche Cols in den Vogesen und das eine oder andere unbeschriebene Hügelchen...

Schwarzwald

Eigentlich schade, dass der Schwarzwald mal wieder, wie so oft auf unseren Strecken, etwas zu kurz kommt, dass seine Berge und Höhen wahrscheinlich schon fast vergessen sein werden, wenn die Absolventen dieser Prüfung ihr Ziel wieder erreicht haben. Dabei würden schon die 2500 Höhenmeter, die wir auf den ersten achtzig Kilometern in Schwarzwald und Hotzenwald sammeln bevor wir am Rhein sind und die Grenze überqueren, jedem Radmarathon und jeder Alpentour zur Ehre gereichen.

Mitten in Freiburg, am Martinstor geht´s los und schon kurz darauf stehen wir am Schauinsland. Der Aufstieg in den Schwarzwald findet auf der klassischen „Rennstrecke” statt. Rennstrecke deshalb, weil dort schon von 1925 an international beachtete Auto- und Motorradrennen stattfanden. Die heutige Großveranstaltung am Berg findet auf zwei Rädern und Muskelkraft statt: Beim Bergzeitfahren „Schauinslandkönig” bewältigen die Schnellsten die Strecke unter 30 Minuten. Die Meisten von uns werden sich wohl etwas mehr Zeit dafür lassen... Der Schauinsland trägt seinen Namen vollkommen zu recht und so viel schon mal vorab: Wenn das Wetter auch nur einigermaßen mitspielt, ist „Belchen satt” die Tour der weiten Blicke.

Was recht Würziges kann uns der Schwarzwald direkt im Anschluss auch schon anbieten: Die Abkürzung rauf zum Wiedener Eck, auf der wir auf 600 Metern 95 Meter Höhenunterschied erobern, ist wohl mit die heftigste Teerstraße im Südschwarzwald. Aber es handelt sich ja nur um ein Angebot: Unsere Entscheidung hat keinerlei Einfluß auf die Wertung des Brevets und es bleibt jedem selbst überlassen, ob er sich an dem 20%-Hammer versuchen will oder doch lieber Vernunft walten läßt und mit dem 1,7 Kilometer längeren Weg auf der Hauptstraße seine Beine noch etwas für weitere Aufgaben schonen will. Das ist sehr vernünftig. Aber wir wollten diese Herausforderung natürlich niemandem vorenthalten und deshalb wurde sie vorsorglich mal in Track und Streckenplan eingebaut...

Dass wir den ersten Belchen auf der Strecke mit für den Schönsten halten, ist wohl nicht nur unserem Nationalstolz und Heimatverliebtheit zu verdanken. Im Sommer verhindert aber doch meist Dunst den Blick in die fernsten Berge und es braucht schon eine Portion Glück; mit diesem könnte man sich dann aber schon mal einen guten Überblick über die Strecke verschaffen: Weit von Süd und West grüßen uns dann vier der Belchen und vielleicht sogar der Chassseral noch lange bevor wir ihnen so richtig nahe-treten.

Nach dem Belchen fahren wir von Schönau aus durch den Fuchswald hoch zum Tiergrüble. Davon nun wollen wir erst gar nichts schreiben, um ob des Sträßchens nicht zu sehr ins Schwärmen zu geraten. Über den Hotzenwald geht´s runter zum Rhein, wir sind jetzt eingefahren und warm, ja heiß aufs

Jura 

Im Schweizer Jura geht der Spaß weiter. Die giftigen Rampen des Schweizer Jura muss man erlebt haben, um sie zu glauben. Auf unserem Weg mag uns unter anderen der herzhafte 20%er von Läufelingen nach Eptingen über die Laufmatt als Exempel dafür dienen. In Kombination mit den verhältnismäßig langen und zugleich steilen Anstiegen über das Bölchenhaus auf den Chilchzimmersattel (am Schweizer Belchen) und Weißenstein tut es dann wohl zum ersten Mal schon etwas weh.

Der Weißenstein von der Solothurner Seite gilt als eine der steilsten Paßauffahrten der gesamten Schweiz – wir haben das „Vergnügen”, diese Seite bergab zu erleben (kein Witz: vorher Bremsen kontrollieren) - aber auch der Nordanstieg ist mit durchschnittlich 10 bis max. 14% nun wirklich nicht von schlechten Eltern.

Nach der Überleitung durch dicht bebautes und verkehrsreiches Gebiet direkt am Schweizer Jurafuß steigen wir zurück zum Hauptkamm, den wir an einer seiner höchsten Stellen queren; der höchste Punkt all unserer Brevets ist der an manchen Tagen viel zu beliebte Aussichtsberg

Chasseral (1607m). Die berühmte Rundumsicht von Vogesen im Norden, Schwarzwald im Nordosten, im Süden die Alpen vom Säntis bis Mont Blanc und der Jurakette mit den Seen im Schweizer Mittelland, verbunden mit der für motorisierte Verkehrsteilnehmer sehr bequemen Anfahrt bis fast zum Gipfel lockt natürlich nicht nur Radler an. An den beliebtesten Ferienwochenenden z.B. an Pfingsten toben auf der schmalen Straße Motorradfahrer wie Mückenschwärme. Es empfiehlt sich, an solchen Wochenenden dann so in Freiburg loszuradeln dass man eher spätnachmittags bis in die Abendstunden am Gipfel ist. Bei miesem Wetter ist der Gipfel wahrlich kein Vergnügen und nicht umsonst steht man dann meist so gut wie allein in Nebel, Wind und Kälte. Natürlich ist so ein Berg immer auch bei Mondschein der Hit und der Sonnenaufgang ist scheinbar auch nicht ganz so übel. Ja, da fällt die Wahl wohl schwer…

Blicken wir von hier zurück, sehen wir, dass wir auf den ersten 230 Kilometern bereits weit über 6000 Höhenmeter gehamstert haben. Halbzeit. Aber noch immer hat uns das Jura fest im Griff, von ausruhen darf noch keine Rede sein. Der nächste Höhenzug wartet direkt im Anschluss: Über Mt. Soleil sind 500 Höhenmeter mit 10% schön gleichmäßiger Steigung zu überwinden. Im Rückblick, nur ganz wenige Kilometer Luftlinie entfernt winkt nochmal der hässliche, markante Turm des Chasseral. Ja, wenn ich ein Vöglein wär, und dann noch Flügel hätt...

Durchaus beflügelt rollen wir für einige Kilometer längs in einem typischen Jura-Hochtal und stürzen unvermittelt ab, über vierhundert Höhenmeter, Richtung Frankreich, in die Schlucht zum

Doubs

Der Doubs ist der prägende Fluss im Jura und bei unserem 600er ein unverzichtbarer, fast schon legendärer Höhepunkt geworden. Nach spektakulärer Abfahrt in die tief eingeschnittene Schlucht am Oberlauf treffen wir bei La Goule zum ersten Mal auf ihn. Vorsicht bei der Abfahrt - eng, löchrig, holprig - ein unbeleuchteter Tunnel mit fast 90°-Kurve!. Wer dort unten auf der Terrasse direkt über der Staustufe am Doubs in der Gaststätte ein Bier trinken mag, darf nicht nur den Alkohol sondern auch die Blicke der anderen Gäste genießen: Eine Mischung aus unverhohlener Bewunderung, Staunen, Ungläubigkeit und vor allem Mitleid. Ja, wie sollen wir aus diesem Loch nur je wieder rauskommen? Es gibt nur einen Weg. Versprochen: Wenn wir dieser Falle entronnen sind, haben wir die richtigen Berge fürs Erste so gut wie hinter uns und die Strecke lässt bis zu den Vogesen Erholung zu. Aber nun müssen wir uns erst mal mit aller Gewalt losreißen, so einfach lässt uns das Hochjura nicht ziehen: Es verabschiedet sich mit 19% Maximalsteigung auf dem Weg rauf zum Col de la Vierge (960m).

Nach St. Hippolyte dürfen wir endlich mal ein Stücklein flach am Doubs entlangradeln, schneiden dann durch Hügelland wieder eine seiner Schleifen ab und sehen den „Zweifler” bei Isle les Doubs zum letzten Mal. Jetzt dauert es auch nicht mehr wirklich lange, bevor wir vor der „Vogesenwand” stehen. Egal ob bei Tag oder Nacht: Es empfiehlt sich ganz dringend eine gute, wirklich essentielle Pause und bestmögliche Erholung, von der Versorgungslage her wohl am besten in Lure, denn jetzt geht’s auf zum großen Finale in den

Vogesen

Um die verbleibenden vier Ballons schön „in Kette” zu fahren und wieder aus den Bergen herauszukommen, sind ein paar durchweg lohnende Schleifen und Wendungen nötig. Die finalen 4000 Höhenmeter verteilen sich auf 160 lange Kilometer. Wir winden uns durch die südlichen Vogesen wie der Doubs durchs Jura, nur dass dieser - anscheinend um einiges intelligenter als wir - nicht mit aller Gewalt den Höhen folgt…

Warum der Ballon de Servance in vielen Veröffentlichungen oft gar nicht erwähnt und so natürlich auch nicht zu dem Kreis der Berge mit Namen Ballon bzw. Belchen gezählt wird, wissen wir nicht. Vielleicht ganz einfach nur, weil er in weiten Kreisen so gut wie unbekannt ist. Wir dagegen nehmen ihn, großzügig wie wir in dieser Beziehung nun mal sind, nur allzu gern in die Liste der Ballons mit auf, weil der Servance nun mal ganz eindeutig den Zusatz „Ballon” in seinem Namen führt und weil er ganz einfach viel zu schön ist, um nicht in diese Tour mit eingebunden zu werden. Das Sträßchen zur Passhöhe ist ein Radlertraum, was man von der Abfahrt dann allerdings leider nicht behaupten kann: Zu steil und der Belag zu schlecht und ruppig - wir werden froh sein, wenn wir und unser Material den Talboden wieder heil erreicht haben.

Zum Ballon Alsace dann wieder der perfekte Untergrund, der Anstieg glänzt im mittleren Teil durch alpin anmutende Serpentinen bevor die kahle Paßhöhe erreicht ist. Nach Abfahrt fahren wir ein Stück parallel zur Nationalstraße und verlassen das Moseltal über den Col du Page und Col d‘Oderen bevor wir uns an den richtig fetten Brocken machen:

Den Grand Ballon nehmen wir nicht etwa auf einer seiner weithin bekannten, eher gemäßigten Auffahrten, da es ja einen so gut wie verkehrsfreien, gut versteckten Aufstieg über Geishouse gibt: Wir gönnen uns die Direttissima in seiner steilen Westflanke…

Auch der Durchgang über den Petit Ballon ist für den öffentlichen Autoverkehr gesperrt. Dies garantiert maximalen ungestörten Landschaftsgenuss, falls wir dazu jetzt noch in der Lage sind. Ein eigentlich kleines und jetzt doch quälend langgezogenes Vorbergpässchen noch, Col du Firstplan mit Gegenanstieg dann, ja, dann sind wir tatsächlich durch.

Rheinebene & Tuniberg

Nach der Abfahrt durch die schönen Weinberge bei Gübwiller mit weiten, sehnsüchtigen Ausblicken Richtung Ziel gibt uns die Rheinebene noch viel Gelegenheit zu reflektieren, was wir da gerade hinter uns gebracht haben, nur der kurze Stich bei Merdingen lässt die Beine dann vielleicht noch einmal ein letztes Mal aufheulen, falls sie dies nicht schon längst aufgegeben haben.

Oh ja, viel, ja sehr viel gäbe es noch zu beschreiben oder zu erzählen von den Städtchen, Orten und Dörfern, die wir durchqueren; den Bewohnern und ihren Trink- und Essgewohnheiten, von Geologie, Geschichte oder weiteren Höhen und unserer Verliebtheit in die Schönheit und Vielfältigkeit dieser Landschaften. Viel zu viel.

Erlebe. Fahre. Berichte selbst.

Wir versprechen jedem, der sich dieser Herausforderung stellt, egal ob als „Randonneur” oder „Tourist”, dass die Kombination von absoluten Highlights rund ums Dreiländereck ein Erlebnis sein wird. Wir wünschen uns, dass die Radler, die sich daran versuchen werden, all die Belchen eben nicht satt haben sondern sie allesamt ins Herz geschlossen haben, wenn sie schlussendlich wieder am Martinstor stehen - satt und zufrieden.

Praktisches

Vor allem in den Vogesen müssen wir die weitgehende Verkehrsfreiheit auf den kleinen Straßen mit oft sehr rauen, teils grenzwertig ruppigen Belägen bezahlen. All diese Abschnitte sind zwar problemlos mit dem Rennrad zu befahren, aber auf Langstrecken spielt der Fahrkomfort irgendwann eine immer wichtigere Rolle. Deshalb empfehlen wir für diese Strecke Mäntel mit 25mm Breite aufzuziehen, die mit nur 6 Bar gepumpt werden – diese „schlucken” und dämpfen wirklich ungemein und rollen mindestens genauso gut, wenn nicht noch besser. Die Steigerung des Fahrspaßes und der Komfortgewinn übersteigen unserer Meinung nach die viel weniger spürbaren Nachteile wegen des etwas höheren Gewichts aber um ein Vielfaches!!

Natürlich sollte man sich vielleicht auch noch ein paar Gedanken über die Übersetzung machen. Die Superrandonnées erfordern wahrscheinlich eine noch mal ruhigere Fahrweise als sie die Meisten von den normalen Brevets her kennen und praktizieren. Wem es gelingt, die Berge mit nur leicht erhöhtem Kraftaufwand zu fahren, wird auch die Rampen besser überstehen und kann das Spiel wohl genauso lange durchhalten wie auf der Ebene. Natürlich wird man „extrem langsam” und auf die Dauer stellt sich ein Fahr- und Landschaftgefühl ein, ruhig und meditativ, das fast schon eher dem Gefühl des Wanderns gleicht als dem des Rennradfahrens. (Randonneur kommt von Wandern!) Gerade in diesen ausgewählten Landschaften ist das aber kein Problem sondern ganz im Gegenteil der reine Genuss. Das im Vergleich zu „normalen Strecken” geringe Tempo zu akzeptieren ist ganz einfach Einstellungs- und Kopfsache. Zähe Geduld ist eine der Primärtugenden des Randonneurs. Die verlängerte Zeit ist gegeben und die technischen Voraussetzungen sind ja auch alle da: „Pizzaritzel”, Kompaktkurbel oder gar das so verpönte Dreifachblatt. Eins ist sicher: manch ein „Tourist” mit Trekking-Übersetzung wird an der einen oder anderen Steigung noch ein Lächeln im Gesicht haben, wenn der klassische Rennradfahrer auf seinem hohen Ross am absoluten Limit würgt.

Niemand sollte sich durch dicke %-Angaben und viele Nullen zu früh ins Bockshorn jagen lassen. Die Frage ist ganz einfach: „Wie kann ich das bewältigen?” „Was bin ich bereit, dafür zu tun?” Im Endeffekt geht es wieder mal nur um eines: „Wie sehr will ich es? – Ja, ich will!” Mit diesem positiven Ansatz wird Vieles nie für möglich Gehaltene auf einmal machbar und gemacht. Und wieder ist eine Grenze überschritten, ein neuer Bereich erschlossen, eine neue Fähigkeit erworben, eine neue Spielart ausprobiert oder auch nur ein neuer Aspekt gefunden worden. Aber in jedem Fall, gerade wenn es mal nicht so funktioniert, wie gedacht - wieder was gelernt…

Jeder ist anders und alt genug und wir geben nur ungern eine Empfehlung. Wir jedenfalls rüsten an Ritzeln und Gängen auf, was die Rennradtechnik zu bieten hat und mit noch vertretbarem Aufwand realisierbar ist. Ganz einfach, damit uns das ohnehin schon recht würzige Menü vor allem zum Ende hin dann nicht doch noch zu scharf wird…

Streckenänderungen vorbehalten